Barhuf oder Eisen – was ist besser für mein Pferd?

Barhuf oder Eisen – was ist besser für mein Pferd?

Ob ein Pferd besser mit ohne oder Eisen läuft, ist keine Geschmacksfrage. Vielmehr muss hier die Gesundheit des Pferdes im Vordergrund stehen. Bei Pferden, die viel auf der Straße unterwegs sind, werden die Hufe stark beansprucht. Wenn hier allerdings ohne nach Alternativen zu suchen, Eisen angenagelt werden, muss man mit den Konsequenzen leben. Diese sind z. B. Stoffwechselprobleme und schlechtes Hufwachstum. Denn mit den Eisen wird der Huf in eine starre Form gezwungen, die ihm seine natürliche Bewegung verweigert, was verheerende Folgen für den ganzen Pferdeorganismus haben kann. 

Barhuf ist für Pferde natürlich

Pferde auf dem SEEMOORHOF haben viel Bewegungsmöglichkeit auf dem Paddocktrail

Ich bin mir sicher, dass die Natur sich etwas dabei gedacht hat, dass sie uns Menschen ohne Schuhe „erdachte“ und die Pferde ohne Eisen geboren werden. In ihrer Heimat, der Steppe, fahren die Pferde mit ihren Hufen sehr gut. Diese haben sich im Laufe der Zeit sogar den Lebensräumen der Pferde angepasst. Während unsere norddeutschen Kaltblüter auf ziemlich großflächigen Tretern mit flacher Sohle unterwegs sind – die auf matschigem Gelände das Einsinken verhindern – findet man bei Pferden, die in steinigen Regionen leben, eher kleine, harte Hufe mit einem ausgeprägten Gewölbe. Damit sind sie bestens für den unsicheren Grund – auf dem man auch mal jäh abrutschen kann – ausgestattet.

Irgendwann begannen wir Straßen zu bauen. Auf diesen liefen die Pferdewagen einfach besser. Damit tat sich aber ein neues Problem auf: Durch die Steine wurden die Hufe der Pferde strapaziert. Der Hufabrieb war viel stärker, als auf den früheren Sandwegen. Die Menschen sannen also darüber nach, wie der Pferdehuf geschützt werden kann. Sich selbst hatte er damals bereits mit diversem Schuhwerk versorgt. Egal, ob Sandalen, Holzschuhe oder Lederstiefel – alle dafür gedacht, den Fuß zu schützen. Das uferte dann in weiche Lederstiefel aus der Haut ungeborener Tiere, Schuhe aus exotischen Häuten oder Designerstücken aus – alles zur Befriedigung der menschlichen Eitelkeit. Aber das ist ein anderes Thema. 😉

Genagelte Hufeisen konnten schon für die Zeit v. Chr. nachgewiesen werden. Auch haben die Archäologen Hinweise auf Hufschuhe gefunden. Inzwischen gibt es eine unüberschaubare Menge an Hufeisenmodellen. Auch die Palette der Hufschuhe muss sich dahinter nicht verstecken. Damals hatte das Pferd einen hohen Stellenwert für die Menschheit. Es war Transportmittel, war aus der Landwirtschaft als Arbeitstier nicht wegzudenken, lieferte Milch- und Fleisch. Die beiden ersten Nutzungsarten sind heute fast verschwunden. Bei uns in der Heide werden noch Pferde vor Kutschen eingesetzt, um die Touristen durch das Naturschutzgebiet zu befördern, aber für das Transportgewerbe sind sie uninteressant. Ich stelle mir gerade vor, wie das aussehen könnte, wenn Pferde einen 20′-Container aus dem Hamburger Hafen ins Hinterland befördern oder Pferdegespanne mit Containern statt Lkw die Köhlbrandbrücke verstopfen. Total unwirtschaftlich und für mich auch eher ein fiktives Bild. 😉 Pferde finden wir heute vorwiegend im Freizeit- und Sportbereich. Die Nutzung ist hier eher moderat. Weshalb das Argument „Abnutzung“ hier für das Nageln von Eisen an den Huf meiner Erfahrung nach nicht greift. Trotzdem sehe ich immer wieder Pferde, die auf unseren sandigen Wegen komplett beschlagen unterwegs sind. Was bedeuten Eisen für den Pferdeorganismus?

Die Hufpumpe

Pferde sind groß. Im Vergleich zum Menschen hat ihr Herz aber nicht das gleiche Verhältnis zur Körpergröße, wie bei uns. Es ist viel kleiner, nimmt viel weniger Raum im Körper ein, so dass mehr Platz für die Lunge da ist. Macht für ein Fluchttier ja Sinn! Aber die 7 % seines Körpergewichtes, die das Blut ausmacht, müssen trotzdem durch den Körper gepumpt werden. Denn das Blut versorgt ihn nicht nur mit Sauerstoff, sondern entsorgt auch Stoffwechselendprodukte. Diese entstehen bei den ganz normalen Körperprozessen und in größerem Umfang, wenn das Tier krank ist. Die Natur war hier wieder sehr einfallsreich: Da der Brustraum für die Lunge benötigt wurde, hat sie einfach vier Pumpen in den Hufen installiert. Diese pressen das Blut bei jedem Tritt eines Hufs zurück in den Körper. Jeder kann sich jetzt sicherlich ein Bild davon machen, was passiert, wenn die Hufkapsel – das ist der Teil des Hufes, den wir sehen können – durch das Eisen fixiert wird. Gerade für Pferde, sind zu Stoffwechselkrankheiten neigen oder sich mit falschem Futter abmühen müssen, sind Eisen Gift! Und das im wörtlichen Sinne, denn die Stoffwechselendprodukte können nur unzureichend aus dem Körper heraus befördert werden und sammeln sich. Hier wird Plan B aufgerufen und die Haut als Ausscheidungsorgan stärker in Anspruch genommen. Wir stellen den „typischen“ Pferdegeruch fest. Die Haut kann aber die Hufpumpen nicht ersetzen.

Pferdebesitzer sind für die Gesundheit der Tiere verantwortlich

Wenn also Pferdehufe stark beansprucht werden, muss man sie schützen. Die Tiere, die während der Saison Menschen durch die Heide schaukeln, könnten also während der anderen Monate durchaus ohne Eisen laufen, so dass sich der Huf wieder erholen kann. Es ist ja nicht nur die Pumpfunktion der Hufe, die beeinträchtigt ist. Die Ansammlung von Stoffwechselendprodukten wirkt sich auch negativ auf das Hornwachstum aus. Daraus lässt sich auch leicht ableiten, dass Ponys und Pferde mit stoffwechselbedingten Krankheiten wie Rehe auf jeden Fall von den Eisen befreit werden müssen. Denn nur dann kann der Körper entsorgen, was in ihm nichts zu suchen hat. Eine Alternative zu Eisen sind Hufschuhe. Das Pferd kann während der Zeit, in der die Hufe stark beansprucht werden, Hufschuhe tragen und den Rest des Tages natürlich auf seiner eigenen Sohle verbringen.

Wir Pferdebesitzer sind verantwortlich für das Wohl unserer Tiere – die wir auch meisten sehr lieben. Aus Unwissenheit schaden wir unseren Begleitern manchmal. Aber das lässt sich ja ändern. Man kann lernen. Wir bieten auf dem SEEMOORHOF verschiedene Workshops, z. B. einen Hufkurs an, in denen man sich in kleinen Gruppen auf häufig experimentelle und sehr praktische Art das Wissen erschließt. 

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