Mini-Hufkurs

Eine Frage des gefühls
Heute möchten wir eines der heiß diskutiertesten Themen in der Hufbearbeitung aufgreifen
Die Eckstreben
Welche Funktion haben sie, sollen sie stehen bleiben, angeglichen oder gar rausgeschnitten werden?
Zur Einstimmung hier ein paar Zitate alter Meister zu den Eckstreben

"Ebenso verwerflich (...) ist das Niederschneiden der Eckstreben. Diese müssen, ebenso wieder Tragrand des Hufes, nur horizontal gehalten werden, damit sie mit jenem und dem Strahl den Erdboden berühren. Schneidet man sie nieder oder schwächt man sie noch gar durch Erweiterung der Furche zwischen ihnen und dem Strahl, so werden sie gegen den letzteren zusammengepresst, dieser mit der Zeit verengt."
Peter Spohr, Oberst a. D. in "Die Bein- und Hufleiden des Pferdes", 1897

"Eckstreben dürfen nur dann beschnitten werden, wenn sie den Tragrand der Wand überragen und in diesem Fall darf nur so viel entfernt werden, bis sie in gleicher Höhe mit den Trachten und Eckwänden stehen."
"Der Illustrierte Haustierarzt", 1867
Dem gegenüber stelle ich einmal die Meinungen aus der
Barhufbearbeiter-Szene
Eckstreben mehr oder weniger zu bearbeiten. Unterschiede in der Bearbeitung resultieren aus den verschiedenen Erklärungsmodellen/Philosophien sowie Studien an Wildpferden.
Für dich als Pferdebesitzerin scheint es fast unmöglich, sich für eine Vorgehensweise zu entscheiden. Letztendlich können auch wir dir die Entscheidung - und damit die Verantwortung für dein Pferd - nicht abnehmen - getreu dem Thema des Mini-Hufkurses:
Komm' in die Hufe!
überlassen wir dir die Verantwortung für dein Pferd. Wir möchten dir dabei helfen, eine Grundlage zu schaffen, aufgrund derer du dir selbst ein Bild machen kannst. Verstehe es bitte im Rahmen des Mini-Hufkurses als Anregung, dieses Thema weiter zu verfolgen. Im Online-Basis-Hufkurs steigen wir tiefer in diese Problematik ein.
Wenn ich an Eckstreben denke, stellen sich mir folgende Fragen:

Auf dem Bild sind die Eckstreben in Rot eingezeichnet. Sie sind ein Teil der Hufwand - mit weißer Linie*. Wie der Name schon vorgibt, streben sie um die Ecke und verlaufen in etwa bis zum ersten Drittel entlang des Strahles. Sie bestehen aus dem gleichen Blättchenhorn* wie die Hufwand und sind dementsprechend hart und nutzen sich (je nach Untergrund) kaum ab. Als Kurzerklärung stelle ich mir die Funktion der Eckstreben als einen
Federmechanismus
vor. Einerseits wird die Stabilität gewährleistet, andererseits bleibt der hintere Anteil des Hufs (Ballen*, Hufknorpel*, Strahlhorn* etc.) unter der Belastung flexibel.
Zur Erinnerung: Der Huf ist kein starres Gebilde, sondern ein hochkomplexes Konstrukt. Funktionen wie Hufmechanismus etc. basieren darauf.
Was passiert, wenn man in dieses "System" als Bearbeiter eingreift, muss ich das überhaupt?
Oftmals wird die Eckstrebe kaum oder gar nicht bearbeitet. Selbst Hufbearbeiter, die sich an Wildpferden und den Studien an diesen orientieren, gehen in die Richtung: Strahl & Eckstreben kaum bis gar nicht zu bearbeiten.
Und da liegt unserer Meinung nach die Krux:
Themen wie unterschiedliche Rassen, Verspannungen im Körper durch Reiten, Sattel usw. lassen wir hier mal aus. Aufgrund unserer Pferdehaltung und -nutzung haben sich mittlerweile eine ganze Reihe von Berufszweigen entwickelt.
Ein Wildpferd kennt keine Osteopathen oder gar Magnetfelddecken. Es ist und bleibt ein Lauf- und Herdentier - das ist seine Natur!
FAZIT
Da wir unseren Hauspferden die Umgebung für einen optimalen Abrieb der Hufe nicht bieten können, müssen wir eingreifen, unterstützen.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage:
OK, aber wie viel Bearbeitung ist nötig?
Dabei hilft uns die Anatomie des Hufs. Wer sich die Mühe macht, den Aufbau des Hufes zu verstehen, ist hier klar im Vorteil. Die Funktion der Eckstreben haben wir oben erläutert. Jetzt stelle dir mal vor, die Eckstreben sind schon so weit gewuchert, dass sie auf der Sohle liegen, also das, was als "doppelte Sohle" bezeichnet wird. Oder die Trachte - also der Eckpunkt - klappt schon unter den Huf (untergeschobene Trachte).
Zur Erinnerung: Die Eckstreben sind extrem hart und können dadurch eine enorme Hebelwirkung haben! Die Auswirkungen auf Ballen, Strahl & Co. können den Komfort enorm beeinträchtigen. Zwanghufbildung und Hufrollenproblemen* werden dadurch Tür und Tor geöffnet.
Wir selbst "führen" (schneiden) die Eckstreben etwa in das erste Drittel des Strahls. Der Verlauf ergibt so eine Rampe, die zum Ende hin auf Sohlenniveau reicht. Dadurch erhält der Huf die nötige Stabilität und Hebelwirkungen werden vermieden.
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Du siehst: Das ist ein sehr komplexes Thema. Wir können hier nur oberflächlich auf das Thema eingehen, hoffen aber, deine Aufmerksamkeit gewonnen zu haben. Im Online-Basis-Hufkurs werden wir das Thema tiefer erklären. Dann besprechen wir auch die im Text mit * bezeichneten Ausdrücke.
Jetzt bist du dran!
Nimm' deine Fotos von Tag 1. Wenn du in unserer Facebookgruppe bist, kannst du dir die verschiedenen Fotos der anderen Teilnehmerinnen anschauen und deine Bilder mit ihren vergleichen.
Kommt in der Gruppe ins Gespräch, tauscht euch aus.
Wir haben schon viele Bilder von Selbstbearbeiterinnen in der Gruppe gesehen. Wirklich gut! Bleibt dran! Bildet euch weiter! Wer sich nicht traut, aber gern möchte: Nimm' an einem Hufkurs teil - ob online oder offline - für gesunde Hufe.
Die sind für das Pferd als Fluchttier überlebenswichtig!
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Wichtig: Sprich deinen Bearbeiter auf das Thema an. Sei nett und frage ihn nach seiner Meinung. Wir haben oftmals die Erfahrung gemacht, dass gerade Schmiede aggressiv angegangen werden. (Wie kannst du nur ...)
Viel hilfreicher ist es, ihm höflich, aber bestimmt zu begegnen und ihn nach seinem Wissen zu befragen. Wenn du absolut nicht zufrieden bist: wechseln oder selber machen!