Verhaltensauffälligkeiten beim Pferd: Ursachen
Verhaltensauffälligkeiten beim Pferd werden schnell mit einem einzigen Wort abgetan: „schwierig“. „Mein Pferd ist einfach schwierig“, diesen Satz höre ich oft, und ich verstehe, warum er ausgesprochen wird – die Erschöpfung dahinter ist echt. Aber ich lade dich ein, heute mal genauer hinzuschauen, was hinter diesem Wort eigentlich steckt.
Schwierig für wen?
Ein Pferd, das nicht auffängt, sich nicht führen lässt, ständig anspannt – all das ist erst einmal nur eine Beschreibung von außen. Sie sagt nichts darüber aus, warum das Pferd sich so verhält, und noch weniger darüber, was ihm dabei helfen würde. Und genau da lohnt sich der zweite Blick: Schwierigkeit ist selten ein Charakterzug. Meistens ist sie das Ergebnis von etwas – einer Erfahrung, einer Überforderung, einer Beziehung, die aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Typische Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten beim Pferd
In meiner Arbeit sehe ich dabei immer wieder ähnliche Muster: Schmerz, der nicht erkannt wurde, weil das Pferd trotzdem „funktioniert“. Zu wenig Sozialkontakt oder Bewegung, was sich irgendwann in Anspannung entlädt. Training, das zu schnell zu viel verlangt, ohne Pausen oder klare Signale. Widersprüchliche Signale, die das Pferd nicht mehr einordnen kann. Verhaltensauffälligkeiten beim Pferd sind fast nie grundlos – sie sind fast immer eine Antwort auf etwas.
Was sich ändert, wenn man die Frage dreht
Statt „Wie bringe ich mein Pferd dazu, das zu lassen?“ frage ich lieber: „Was braucht mein Pferd gerade, um sich sicher genug zu fühlen, um anders reagieren zu können?“ Diese Frage führt an einen ganz anderen Ort. Sie nimmt Druck raus – vom Pferd, aber auch von dir. Du musst nicht mehr gewinnen. Du darfst verstehen.
Ich habe das immer wieder erlebt: Pferde, die als „unmöglich“ galten, wurden nicht durch mehr Konsequenz ruhiger, sondern durch mehr Verständnis. Nicht, weil man sie einfach machen lässt, was sie wollen – sondern weil ihr Verhalten endlich gehört wurde.
Was du selbst beobachten kannst
Bevor du professionelle Hilfe holst, kannst du selbst schon einiges herausfinden. Frag dich: Tritt das Verhalten immer in der gleichen Situation auf, oder ist es unabhängig vom Kontext? Gab es einen Zeitpunkt, an dem es begonnen hat – einen Stallwechsel, eine Verletzung, einen neuen Sattel, eine veränderte Herdenkonstellation? Verändert sich das Verhalten, wenn du selbst ruhiger oder angespannter bist? Diese Fragen ersetzen keine fundierte Ursachenforschung, geben dir aber oft schon erste Hinweise, in welche Richtung du weiterschauen solltest.
Wichtig dabei: Du musst nicht sofort die vollständige Erklärung finden. Es reicht, die Perspektive zu wechseln – weg von „Wie stoppe ich das?“ hin zu „Was will mir mein Pferd damit sagen?“. Dieser Perspektivwechsel allein verändert oft schon, wie ruhig ihr beide durch eine schwierige Phase kommt.
Der erste Schritt
Bevor du an sichtbarem Verhalten arbeitest, lohnt sich fast immer ein Blick auf die Grundlagen: Haltung, Gesundheit, Sozialkontakt, Bewegung. Häufig verschwindet ein großer Teil der Verhaltensauffälligkeiten beim Pferd bereits, sobald diese Basis stimmt – ganz ohne spezielles Training. Erst wenn diese Ebene geklärt ist, macht es Sinn, genauer auf die Beziehung und die Kommunikation zwischen euch zu schauen – denn ein Pferd, das sich körperlich unwohl oder sozial isoliert fühlt, kann in der Beziehungsarbeit noch so viel Verständnis bekommen und wird trotzdem angespannt bleiben.
Auch ein tierärztlicher Check gehört an den Anfang jeder Ursachenforschung dazu, gerade wenn sich das Verhalten plötzlich verändert hat. Schmerz ist eine der häufigsten, aber am seltensten zuerst bedachten Ursachen – gerade weil Pferde als Fluchttiere darauf trainiert sind, Schwäche möglichst lange zu verbergen. Ein unauffälliger Gang oder ein normaler Blutbefund schließt Schmerz deshalb nicht automatisch aus.
Wenn du mit deinem Pferd gerade nicht weiterweißt: In einem kostenlosen EMONA-Blick schauen wir uns eure Situation gemeinsam an. Termin buchen.







