Eine Frage der neigung

Wusstest du, dass Pferde nur etwa vier Stunden pro Tag liegen? Dagegen stehen sie viele Stunden lang auf den Beinen und dösen. Wie funktioniert

ermüdungsfreies Stehen?

Als Fluchttier muss das Pferd jederzeit in der Lage sein, die aktuelle Situation verlassen zu können - durch Weglaufen. Der ganze Pferdekörper ist darauf ausgelegt, möglichst schnell fliehen zu können.

Schnell nicht nur im Sinne von Tempo, sondern auch im Sinne von Jetzt - Sofort.

Damit die Pferde schnell loslaufen können, verfügen die Beine über besondere Mechanismen. Während wir bei der Vorhand von ermüdungsfreiem Stehen sprechen, handelt es sich beider Hinterhand um ermüdungsarmes Stehen. - Hier die Begriffe für dich, nur damit du die mal gehört hast. Im Online-Basis-Hufkurs werden wir das in aller Ausführlichkeit untersuchen, denn - du kannst es dir sicherlich schon denken - das Thema ist komplex.

Konzentrieren wir uns auf die Vorhand

Wir haben Sammy zur Mitarbeit überredet und können dir so am lebenden Pferd zeigen, wie sich die Hufstellung auf den Pferdekörper auswirkt.

Du siehst die rote Linie, die senkrecht in Richtung Boden verläuft. Die müsste - damit das ermüdungsfreie Stehen möglich ist - in Höhe des Trachtenpunktes enden. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Hufe weit hinter dieser Linie stehen. Das nennt man rückständig.

Was ist das Problem?

Wenn die Vorderbeine nicht im Lot stehen, also - wie bei Sammy - nicht im rechten Winkel zum Boden stehen, funktioniert das ermüdungsfreie Stehen leider nicht. Das Pferd benötigt also im Stehen viel mehr Energie, als wenn sich die Beine in korrekter Stellung befinden.

Die Position der Hufe unter dem Pferdekörper hat natürlich noch viel weitreichendere Auswirkungen, auf die wir jetzt aber nicht eingehen. Wir versuchen jetzt erstmal herauszufinden, was Sammy leisten muss, um in diesem Zustand zu stehen.

ÜBUNG

Stelle dich bitte barfuß hin. Beide Füße stehen parallel nebeneinander. Jetzt spüre mal in deine Hüften und in Richtung Schultern. Wenn du das Gefühl hast, dass alles aufrecht übereinander steht - wie an einer Kette - solltest du spüren, dass dein Hauptgewicht auf den Fersen liegt. 

Spüre jetzt in deine Muskeln rein: Wie sind sie angespannt?

Gut.

Jetzt lehne dich ganz leicht nach vorne - nur ein paar Zentimeter - und achte auf deine Muskeln.

Spürst du, dass sie jetzt anders angespannt sind?

Das liegt daran, dass du deinen Schwerpunkt verlagert hast. Kannst du dir vorstellen, diese Position über mehrere Stunden halten zu können? - Wir können das nicht!

Vielleicht hat dir diese Übung etwas Verständnis dafür bringen können, was die kleinsten Veränderungen für Auswirkungen auf die Muskulatur haben können.

Ja, es ist richtig, dass im Pferdekörper die Muskeln anders beansprucht werden, als bei uns Menschen - schließlich stehen Pferde auf vier Beinen statt auf zweien, aber das Grundprinzip ist gleich:

!

Form follows function Immer, wenn sich die Beanspruchung ändert, reagiert der Körper darauf.

was hat das jetzt mit den hufen auf sich?

Wenn du dir Sammys Vorderhufe genau anschaust, kannst du vielleicht schon erkennen, dass die Trachten - der hintere Teil des Hufs - viel zu hoch sind. Dadurch "fällt" er nach vorne. Die Zehen werden schnell abgelaufen, wodurch der Huf einen eher kompakten Eindruck macht. Aber außerdem verlagert sich das Gewicht des Pferdekörpers auf die Spitze des Hufbeins.

Durch seine gewölbte Form ist das Hufbein eigentlich optimal darauf eingestellt, die Kraft, die von oben einwirkt, in den Boden abzuleiten. Durch diese veränderte Stellung ist das nur unzureichend möglich.

Die Folgen von Rückständigkeit auf das Pferd sind vielfältig. Eine kleine Veränderung der Parameter hat enorme Auswirkungen. Deshalb ist es wichtig, dass du die korrekten Parameter kennst und die Hufe deines Pferdes selbst überprüfen kannst.

Jetzt bist du dran!

Fotografiere dein Pferd so, wie in unserem Beispiel, also:

  • geschlossene Stellung
  • ebener Untergrund
  • die Kamera so halten, dass die Linse im rechten Winkel auf die Schulter des Pferdes zeigt (siehe im Arbeitsbuch S. 4)

Wie ist die Stellung der Vorhand deines Pferdes?

Teile deine Fotos gern in der Gruppe mit den anderen Teilnehmerinnen und vergleiche.

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